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Schaffhausener Triathlon 2017

Ein Wettkampf auf Stoppeln – oder wie in Schaffhausen meine Serie endete.

Nachdem ich bei jedem meiner letzten sechs Rennen einen Altersklassen-Podest-Platz belegen konnte, fuhr ich bereits mit etwas Skepsis nach Schaffhausen. Würde es mir gelingen beim ältesten Triathlon der Schweiz meine Serie mit einem (verflixten) siebten AK-Podest-Platz fortzusetzen?

Schon im Vorfeld ahnte ich, daß es schwer werden würde unter die ersten drei meiner Altersklasse zu kommen. Die Veranstalter des Triathlon Schaffhausen bedienten sich nämlich einer “erweiterten Altersklasse”. Will heißen, es wurden die zwei DTU-Altersklassen AK35 und AK40 zusammen gelegt zu einer großen AK1. Somit durfte ich mich mit den jüngeren Athleten bis Geburtsjahr 1982 messen. Aua!

Um es gleich vorweg zu nehmen, mit meiner Zielzeit von 1:46:37 Stunden bewältige ich die Gesamtdistanz von 41,1 Kilometern auf dem 8. Platz der AK1 und dem 31. Gesamtrang. Zufrieden kann ich mit diesem Ergebnis nicht sein. Vor allem mit der Radstrecke kam ich bei diesem Wettkampf so gar nicht klar. Aber aller Anfang eines Triathlon ist bekannterweiße das Schwimmen.

Danke an die Schaffhauser Polizei - Photo by Triathlon Schaffhausen
Danke an die Thurgauer Kantonspolizei – Photo by Triathlon Schaffhausen

Schwimmstart.

Nachdem mein Rad inkl. Equipment auf einem Stoppelfeld in Büsingen (ca. 6k östlich von Schaffhausen) bereit für den zweiten Wechsel war, verließ ich den schlammigen und stoppeligen Untergrund mit staksigen Schritten. Es hatte die letzten Tage hindurch geregnet, so daß die Wechselzone eher einer Matschgrube glich. Glücklicherweise nieselte es inzwischen nur noch und der Himmel riß langsam auf, so daß alle Teilnehmer auf ein “trockenes Schwimmen” hofften.  Eine Besonderheit des Triathlon Schaffhausen stellt die Auftakt-Disziplin dar. Es wird im Rhein geschwommen. Und zwar mit Strömung! Pünktlich um 08:20 verließen die Busse die Wechselzone und brachten die Athleten zum 2,1 Kilometer entfernten Schwimmstart. Besonders beruhigend wirkte auf mich das ernstgemeinte Hinweis-Schild der Thurgauer Kantonspolizei! Es konnte also nichts mehr schief gehen 😉

Nachdem die Staffel-Starter in den Fluten des Rhein verschwunden waren, hieß es für die Einzelstarter der Haupt- und Altersklasse 1 sich bereit zu machen. Die Hinweise als auch der Countdown, welche auf Schwitzerdütsch aus den Lautsprechern drangen, waren für mich nicht immer deutlich zu verstehen. Doch als der Startschuss fiel, preschte ich ebenfalls in den Rhein!

Schwimmstart - Photo by Triathlon Schaffhausen
Schwimmstart – Photo by Triathlon Schaffhausen

Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen. Das Rhein-Wasser war klar und mit 20,5 Grad wohl temperiert. Dank der Tipps eines Schweizer Dauerstarters orientierte ich mich an den Leitmasten der Schifffahrt und strebte so die ideale Strömungslinie an. Meine einzige Angst war am Ausstieg vorbei getrieben zu werden. Ich wusste nur, daß angeblich  ein gelber Torbogen den Ausstieg markiere und man sich ca. 400 Meter vorher quer in Richtung des rechten Ufers orientieren solle …

Schwimmausstieg - Photo by Triathlon Schaffhausen
Schwimmausstieg – Photo by Triathlon Schaffhausen

Den gelben Torbogen sah ich auch schon recht bald und konnte kaum glauben, daß die erste Disziplin sich bereits dem Ende entgegen neigte. Ich schwamm auf den Schimmausstieg zu und hatte trotz der starken Strömung keine Probleme den Kurs zu halten. Nach sage und schreibe 15 Minuten und 19 Sekunden piepste die Zeitnahme-Matte und ich hatte die 2,1 Kilometer bewältigt!

Wechsel 1.

Der erste Teil des Weges in die Wechselzone verlief auf Teppichbahnen, so daß lediglich die Wechselzone – ab sofort nur noch Stoppelfeld genannt  – barfuß durchlaufen werden musste. Glücklicherweise gab es eine Traktorspur, die ich nutzen konnte 😉 Ansonsten verlief der erste Wechsel reibungslos. Da die Temperaturen inzwischen auf ca. 14 Grad angestiegen waren und der Himmel trocken blieb verzichtete ich auf Socken und Regencape und schob im naßen Einteiler mein Rad aus der Wechselzone.

Radfahren.

Das Drama konnte also beginnen! Es galt im Schaffhauser Umland knapp 32 Kilometer mit ca. 410 Höhenmetern auf einer Runde zu bewältigen. Ich empfand die Radstrecke aufgrund der Kurven und des welligen Profils als völlig unryhtmus und technisch anspruchvoll zu fahren. Darüber hinaus gab es einen ca. 4 Kilometer langen Anstieg sowie eine naße Abfahrt zu bewältigen! Zudem galt auch noch Windschattenfreigabe, was das Rennen für mich taktisch völlig durcheinander wirbelte.

Radkilometer 2 - Photo by Triathlon Schaffhausen
Radkilometer 2 – Photo by Triathlon Schaffhausen

Am Anfang bekam ich noch recht gut Druck auf die Pedale, doch hörte ich bereits nach dem ersten Kilometer ein Schleifen! Mit jeder Umdrehung des Hinterrades ertönte dieses Geräusch und machte mich fast wahnsinnig! Meine Hinterbremse schleifte und schleifte und schleifte … nicht unbedingt förderlich, wenn man schnell fahren möchte!

Während der Fahrt fummelte ich also an meinem Bremskabel herum und drehte die Hinterbremse Stück für Stück auf. Das Schleifen blieb jedoch! Während dieser ganzen Fummelei überholten mich Athlet um Athlet und meine Motivation sank! Inzwischen ging es auch schon in den Anstieg und in meinem Windschatten hatten es sich drei weitere Athleten gemütlich gemacht! Ich stampfte den Anstieg mit über 340 Watt hoch und hoffte darauf, meine Verfolger abschütteln zu können. Das schaffte ich auch – kurzzeitig! Denn auf der Abfahrt überholten Sie mich wieder. Der Grund war einfach zu doof: Da ich auf den ersten Kilomter meine Hinterbremse bis zum Anschlag aufgedreht hatte, war die Bremswirkung nun gleich null. Ich hatte zwar noch meine funtkionstüchtige Vorderbremse, doch ist alleine damit eine Abfahrt bei Näße durch Serpentinen eine böse Zitterpartie! HEUL!

Irgendwie schaffte ich die Abfahrt und kam erleichtert in der Rhein-Ebene an. Dort versuchte ich verlorenen Boden gut zu machen und gab Gas! Mit dem Ergebnis, daß ich einen Pulk von Athleten in meinem Windschatten mitzog. HEUL! Also ging ich frustiert nach einiger Zeit aus der Führung und hängte mich auch in den Windschatten meiner Mitstreiter. 280 Watt standen somit am Ende der Radstrecke neben einer Gesamtzeit von 58:22 Minuten auf der Uhr. Naja … ein knapper 33er Schnitt! Windschattenfreigabe finde ich blöd 🙂

Wechsel 2.

Eine Minute und zwei Sekunden brauchte ich, um mich für´s Laufen umzurüsten und über das matschige Stoppelfeld in Richtung Laufstrecke zu rutschen.

Laufen.

Die letzten 7,5 Kilometer sollten für mich recht gut laufen, wobei die Abschluss-Disziplin aufgrund der Beschaffenheit eher als Cross-Lauf bezeichnet werden muss und ich definitiv mit Cross-Laufschuhen besser bedient gewesen wäre. Auf kleinen Pfaden ging es vom Stoppelfeld in Richtung des Hochrhein-Ufers über Graswege an anderen gemähten matschigen Feldern vorbei.

Ich konnte sehr gut in den Laufmodus umschalten und lief konstant unter einer 4er Pace. Nach ca. 1,5 Kilometern wechselte der Untergrund von Gras- zu Schotterweg und verlief den nächsten Kilometer durch einen Waldabschnitt. Danach passierte ich den Schwimmstart erneut und freute mich wieder über das Keine-Haie-Hinweis-Schild am Ufer des Rheins. Hier kamen mir bereits dann auch die ersten Athleten samt Führungsfahrrad entgegen. Der Vorsprung des Führenden lag also bei ca. 15 Minuten. Auf dieser kurzen Distanz doch recht viel…

Am Wendepunkt angekommen begrüßte mich das Piepsen der Zeitnahme und ich machte mich fliegenden Schrittes auf den Rückweg. Dabei konnte ich einige Athleten überholen und fühlte mich zunehmend besser! An einem Steilstück von ca. 200 Metern fiel meine Pace kurzeitig ab, wobei ich trotz hohen Pulses problemlos in die folgende Single-Trail-Passage einsteigen konnte. Aufgrund des dichten Blattwerks war dieser Abschnitt sehr dunkel, doch die Organisatoren hatten mitgedacht und hervorstehende Wurzeln glücklicherweise mit gelber Farbe gekennzeichnet!

Nachdem auch diese Herausforderung genommen war, verliefen die letzen Kilometer zum Großteil über Schotterwege. Auf den letzten 500 Meter standen die Zuschauer auf dem einzig geteerten Stück der Laufstrecke Spalier und jubelten den Athleten zu, bevor es auf die letzten stoppeligen Meter ging…

Ziel.

Auf diesen letzen Metern des 34. Triathlon Schaffhausen durfte ich mich in einer Sprint-Entscheidung behaupten. Zwei jüngere Athleten, die ich auf dem letzten Kilometer bereits überholt hatte, kamen immer näher und glücklicheweise blickte ich mich kurz vor dem Zielbogen erneut um und sah die beiden heran fliegen…

Zieleinlauf - Photo by Triathlon Schaffhausen
Zieleinlauf – Photo by Triathlon Schaffhausen

Auf diese Weise ist zumindest ein tolles Ziel-Foto enstanden, wenn auch kein verflixter siebter Altersklassen-Podest-Platz! Man beachte meinen irritierten Blick auf die gewellte Zeitnahme-Matte … LOL :-0

Mit meiner Laufzeit von 30:12 Minuten auf die 7,5 Kilometer Cross-Lauf bei ca. 72 Höhenmetern (!!!) bin ich sehr zufrieden. Dabei muss ich ganz spontan an die Müncher ZHS-Crosslauf-Serie mit einer identischen Länge und weniger Höhenmetern denken! @JochenBlock: Diesen Winter simma wieder dabei 🙂

Das offizielle Gesamtergebnis gibt es bei Datasport und die Aufzeichnungen meiner Suunto Ambit bei Moovescout.

Abschließend bleibt zu sagen, daß ich mit meiner Schwimm- und Lauf-Leistungen sehr zufrieden bin. Meine Radleistung hingegen hat den gesamten Rennverlauf negativ beinflußt. Ich kam mit der Radstrecke und den Umsätnden einfach nicht klar. Um eine vernünftige Platzierung beim Triathlon Schaffhausen zu erzielen, muss man die Radstrecke definitiv in- und auswendig kennen! Vielleicht ist das auch der Grund warum ich als Bester Deutscher in meiner Altersklasse und als Drittbester Deutscher Overall gelistet bin.

Ein Velo-Parcour für Locals! Und ein Erlebnis für Zugereiste 🙂

Schaffhausener Triathlon

Typ: Triathlon

Distanz: 2,1 – 32 – 7,5 k

Datum: 12. August 2017

Nenngeld: 70 CHF / 60 €

Schwimmstrecke:

rheinabwärts, klares weiches Flusswasser, starke Strömung, ca. 20,5 Grad, Neopren

Radstrecke:

eine Runde, teilweise grober Teer sowie Betonplatten, Windschattenfreigabe, sehr wellig, ca. 420 hm

Laufstrecke:

eine wellige Runde auf Gras- und Schotterwegen, teilweise Single-Trail-Abschnitte

Organisation
80%
Strecke
70%
Publikum
60%
Erlebnis
80%
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